Stellungnahme zu Aussagen Zoo-Gefangenschaft Halle

19 Oktober 2015

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 Oktober 19, 2015
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EndZOO-Stellungnahme zu Aussagen des Zoo-Speziesisten Dennis Müller (Zoo-Gefangenschaft Halle) im Umgang mit Elefant ABU

FREIWILLIGE VERMENSCHLICHUNG IN ZIRKUSMANIER?

(Stand 19.10.2015)

Die Elefanten-Zoo-Gefangenschaft Halle wird erneut in ihrem Umgang mit seinen inhaftierten Elefanten kritisiert. Diesmal übt die Tierschutzorganisation „WAR – Wildlife at Risk International“ massive Kritik an einer „Mal-Aktion“ mit dem inhaftieren Elefanten ABU. Die Malaktion ist auf einem Video zu sehen, welches offensichtlich bisher nur auf der Facebookseite eines der Wärter privat veröffentlicht wurde. Nach Angaben der Tierschutzorganisation soll das Video, nach massiven Protesten im sozialen Netzwerk, mittlerweile gelöscht worden sein. In einer Stellungnahme auf Facebook hat die Zoo-Gefangenschaft Halle (hier Ober-Speziesist/ Zoodirektor Dennis Müller) am vergangenen Donnerstag nun versucht, seinen unnatürlichen Umgang (hier ein „Bild kreieren“) mit seinem inhaftierten Elefanten ABU, bei dem Zwang eine deutlich sichtbare Komponente ist, zu beschönigen und sogar zu verharmlosen. EndZOO nimmt, zu einigen Aussagen von Zoo-Speziesist Müller, wie folgt hier Stellung:

1.Ist diese Farbe ungiftig?

Mag sein das es sich um eine ungiftige „hochverdünnte wasserlösliche KINDER-Malfarbe“ (Müller) handelt. EndZOO ist aber nicht bekannt, dass Hersteller solcher Kindermalfarben es dennoch begrüßen würden, wenn Eltern ihren Kindern diese Farbe in die Nase einflößen und diese zum „Ausrotzen“ bringen. Für eine Naseninhalation sind solche Farben mit Sicherheit nicht gedacht. Zudem wurden solche Farben bestimmt noch nicht auf Unbedenklichkeit für die Naseninhalation bei einem Elefanten hin getestet. Jeder weiß, dass unterschiedliche Spezies auf diverse Chemikalien oder Stoffe unterschiedlich reagieren. Wie sich also diese Farbe im Rüssel eines Elefanten verhält, ist sicher noch nicht ausreichend getestet und ermittelt worden. Auch nicht wie Farbmengen, die auf diese Art und Weise auch in die Lunge, Magen und Körper des Elefanten eindringen können, sich gesundheitlich dort auswirken. Zoo-Speziesist Müller wird von uns aufgefordert, den Farbenhersteller mit Namen und Adresse zu benennen, um jede Gesundheitsrisiken mit voller Transparenz auszuräumen. Auch soll er entsprechende Studien vorlegen, die eine Gefährdung der Gesundheit durch diese Farbe ausschließen können.

2.Wird in diesem Vorgang ein natürliches Verhalten gezeigt?

EndZOO ist nicht bekannt, dass sich Elefanten in Freiheit von einer andere Spezies Farbe in die Nase einflößen lassen, durch Nasenauswurf dann Leinwände „bemalen“, diese Form der rein menschlichen Kunst kreieren und diese Bilder anschließend für eine guten Zweck verkaufen. Elefanten nehmen in der Natur, die Natur wie wir sie kennen, u.a. nur Flüssigkeiten zu Nahrungszwecken, zum Spiel oder etwa Sand zur Körperpflege über den Rüssel auf. Mit der Aussage des „Bild kreierenden ABUs“ wird pure Vermenschlichung kommuniziert und damit praktiziert.

Übrigens haben wir auch noch nicht erlebt, dass Elefanten in Freiheit durch die Gegend wandern und dabei Mundharmonika spielen. Diese ebenfalls unwissenschaftliche, naturentfremdende und vermenschlichende Form der angeblichen Beschäftigung wird übrigens auch in der Zoo-Gefangenschaft von Halle praktiziert. Bei entsprechender Kritik würde Zoo-Speziesist Müller dies sicher auch als ein natürliches Verhalten verkaufen.

3.ABUs freiwillige „Kunstaktion“?

Im Video ist eigentlich NICHT zu sehen, wie Zoo-Speziesist (Zoodirektor) Müller behauptet, dass Elefant ABU „ein Bild kreiert“. Dies ist allein die vermenschlichende Darstellung des Zoo-Speziesisten Müller. Diese Aussage soll jedoch von Anfang an assoziieren, dass ABU ohne fremdes Zutun und ohne Zwang allein und selbstständig „künstlerisch“ aktiv war. Das ist absolut falsch. Müller will, obwohl allein schon das Video genau das Gegenteil beweist, bewusst ein falsches Bild in der Öffentlichkeit erzeugen.

Im Video ist tatsächlich zu sehen, dass ABU durch wiederholt kräftiges Festhaltens seines Rüssels zum Inhalieren einer Flüssigkeit (Farbe) gezwungen wird. Ihm wird die Farbe auch nachweislich immer wieder eingeflößt. Das Einflößen schließt Freiwilligkeit grundsätzlich aus.

Der teils zangenartige und deutlich sichtbar feste Händegriff wurde vom Wärter zudem bewusst und genau an der Spitze des Rüssels von ABU angesetzt. Die Rüsselspitze ist einer der empfindlichsten Stellen bei einem Elefanten. Schon ein ganz geringer Druck an dieser sehr empfindlichen Stelle kann sehr schmerzhaft sein. Solche meist extrem empfindlichen Schmerzpunkte werden besonders gern von Zirkus-SpeziesistInnen als Auslöser oder Verstärker von gewünschten Handlungen in der angeblich sanften Tier-Dressur verwendet. Im Gegensatz zu kräftigen Körperschlägen, die allein schon nur visuell von uns mit erheblichen Schmerzen in Verbindung gebracht werden und damit eine klare negative Wertung erfahren, werden vermeintlich sanfte Berührungen an bestimmten Körper-stellen von uns vielmehr als harmlos und damit fälschlicherweise auch oft als positiv angesehen. Das aber auch eine nur leichte und sanft aussehende Berührung an einer sehr empfindlichen Stelle ebenso extremem Schmerz auslösen kann, wird von uns leider oft nicht in Betracht gezogen. Ein bewusst zur Täuschung eingesetztes Mittel in der so genanntensanften Tier-Dressur. Wir sollen glauben und denken: Hier wird doch sichtbar nur sanft mit dem Individuum umgegangen. Das Gegenteil ist aber oft der Fall. Mit diesem Wissen kann auch die aktuelle verharmlosende Aussage von Müller, ein Mensch hätte angeblich nicht die Kraft den Rüssel eines Elefant gegen sein Willen zu halten, nicht nur in Frage gestellt sondern auch ad absurdum geführt werden.

Zudem „rotzt“ ABU die Flüssigkeit SOFORT wieder aus. Bei einer spielerischen und natürlichen Aufnahme von natürlichen Flüssigkeiten, Nahrung oder Sand, behalten Elefanten diese oft sehr viel länger in ihrem Rüssel. Bei ABU ist ein sofortiges „Loswerden wollen“ der Flüssigkeit deutlich erkennbar.

Die Flüssigkeit landet dann, sicher von ABU nicht „bewusst, kreativ und künstlerisch“ beabsichtigt, eher zufällig auf der Leinwand. Würde ABU freiwillig „malen“, würde er die Flüssigkeit auch freiwillig und selbstständig aus einem Behälter aufnehmen. Festhalten und Einflößen ist definitiv NICHT freiwillig!

Des Weiteren behauptet Speziesist Müller, dass ABU jederzeit seinen Rüssel hätte zurückziehen könnte, wenn er die „Prozedur“ nicht möge. Dies ist schon angesichts der Videoaufnahmen und deren ehrliche Betrachtungsweise an Unsachlichkeit und Ignoranz nicht zu überbieten.

In den Videoaufnahmen ist nämlich deutlich zu sehen, wie ABU seinen Rüssel tatsächlich immer wieder zurück-zieht. Teilweise wird er am Zurückziehen durch den bereits oben erwähnten kräftigen Händegriff sogar massiv behindert.

Im Zeitlupen-Video ist sehr deutlich erkennbar, wie fest der Rüssel im Griff des Wärters ist und aus den Finger des Wärters sehr schwer „herausflutscht“. Damit ein sehr fester Griff bewiesen. An einer Stelle (ca. 1:40 min) ist das kräftige „Flutschen“ sogar gut hörbar.

Dass diese „Training“ auf „ausschließlich Freiwilligkeit“ basiert, betrachten wir als einer der größten Zoo-Märchen von Herrn Müller für das Jahr 2015.

Auch wenn ABU seinen Rüssel immer wieder sichtbar nach vorn streckt, ist dies aber auch KEIN unbedingtes Zeichen von Freiwilligkeit oder Gefallen. Diese Bewegung ist das Ergebnis einer jahrelangen Konditionierung (Dressur).

Zitat Müller (Zoo-Gefangenschaft Halle):

„Dabei wurde lediglich die Lernmethode der positiven Verstärkung angewendet. Das Tier erhält eine Belohnung, wenn es eine Anweisung befolgt, anderenfalls wird es ignoriert.“

ABU hat also durch jahrelanges Training auf diktiert bekommen, dass er den Rüssel auf Kommando hinhalten muss. Ein nur kleines Zeichen (z.B. Klickern) löst bei ihm genau diese, zunächst immer freiwillig aussehende, Reaktion bei ihm aus. ABU hat auch gelernt, dass eine Verweigerung von Kommandos für ihn meist negative Konsequenzen hat. Das kann ein bloßes Ignorieren, der Entzug von Belohnung oder der Entzug von Nahrung sein.

Dass sich in den Facebook-Kommentaren zur Zoo-Stellungnahme auf der Facebookseite der Hallenser Zoo-Gefangenschaft auch Zirkus-SpeziesistInnen äußern, hat uns daher überhaupt nicht verwundert. Ist dies ja auch eine nicht selten genutzte Form der Dressur von nicht-menschlichen Tieren in Zirkus-Gefangenschaften.

Da Speziesist Müller von dieser antrainierten Abhängigkeit (Konditionierung oder Dressur) ABUs weiß, den festen Griff des Wärters an einer der empfindlichsten Stelle überhaupt nicht erwähnt, ist auch seine folgende Aussage an Hohn und Ignoranz nicht zu übertreffen:

„In Wirklichkeit hätte sich der Elefant jederzeit in seinen Stall und das ohne jegliche disziplinarische Konsequenzen zurückziehen können.“

ABU weiß auch, dass auf Nicht-Reagieren und Nicht-Agieren eine Strafe statt Belohnung erfolgt. Logischerweise streckt er den Rüssel, vermeintlich freiwillig, immer wieder aus und bleibt sogar ohne Ankettung am Gitter stehen.

Die Dressur zeigt Wirkung. ABU reagiert also ähnlich wie ein Hund, dem beigebracht wurde immer wieder das „Stöckchen“ zu holen. Nur holen Hunde immer wieder das „Stöckchen“, um ihren Jagdtrieb zu ersetzen. Der Stock als Beuteersatz, damit andere nicht-menschliche Tiere nicht gejagt, getötet oder verletzt werden. ABU jedoch muss, aus lächerlichen und für ABU völlig unwichtigen, unnatürlichen und menschlichen Interessen heraus, ein lächerliches „BILD für Menschen malen“.

EndZOO: „Ein vermeintlich kreatives Malen in Gefangenschaft ist kein Ersatz für ein artgerechtes Verhalten in Freiheit.“

EndZOO-Forderungen

Wir fordern Zoo-Speziesist Dennis Müller auf, das ganze Video sofort zu veröffentlichen. Laut der Tierschutzorganisation soll es mittlerweile, auf den zuerst veröffentlichten Seiten der WärterInnen, gelöscht worden sein. Warum eigentlich? Das Training soll doch angeblich auf Basis von Freiwilligkeit und natürlichem Verhalten basiert? Sehen so Transparenz und der offene Umgang mit Kritik von Herrn Müller aus?

Zudem fordern wir Müller als Tierrechtsorganisation auf, diesen mehr als fragwürdigen, unwissenschaftlichen, vermenschlichenden, naturentfremdenden und unethischen Umgang mit seinen inhaftierten Elefanten sofort und auch zukünftig zu unterlassen. Sie vermitteln ein völlig falsches Bild von Elefanten.

Frank Albrecht

Zoo-Experte und 1.Vorsitzender Frank Albrecht von EndZOO-Deutschland e.V.

Weiter Informationen

>> Hier finden Sie das Video!

>> Hier finden Sie eine detaillierte EndZOO-Analyse des Videos!

>> Hier finden Sie einen Artikel (PDF) zum Thema „Sanfte Zirkus-Dressur“

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