#03/2017 - Karlsruhe & Neumünster: Scharfe Kritik an Eisbären-Pläne

2 März 2017

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 März 2, 2017
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PRESSEMITTEILUNG #03/ 2017

Karlsruhe und Neumünster: Scharfe Kritik an Eisbärenpläne

EndZOO spricht von Tierquälerei

vom 02.03.2017

Neumünster/Karlsruhe – Obwohl eine Untersuchung (2006) von Dr. Ulrike Stephan den eindeutigen Nachweis erbracht hat, dass z.B. „Transporterlebnisse bei Eisbären mit hohem Stress … verbunden sind“, die Eisbären noch lange Zeit (Monate) darunter erheblich leiden und mit langanhaltenden Verhaltensstörungen erfolglos versuchen den Stress zu kompensieren, sollen die vier Eisbären KAP, NIKA, VITUS und LARISSA demnächst zwischen den Zoo-Gefangenschaften Neumünster und Karlsruhe herumgekarrt und ausgetauscht werden. Die Tierrechts-, Tierschutz- und Artenschutzorganisation EndZOO Deutschland e.V., die sich auch vehement für ein schnellstmögliches Auslaufen aller Zoo-Gefangenschaften ausspricht, bezeichnet diese Pläne als einen klaren Verstoß gegen das geltende Tierschutzgesetz. Das Gesetz schreibe nämlich Halter*Innen laut §1 vor, dass „niemand einem Tier…Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund zufügen“ darf.  Ein Transport, der hier allein nur die erhoffte Zeugung eines Eisbärenbabys in Karlsruhe zum Ziel hat, verursacht bei Eisbären nachweislich erheblichen Stress und damit Leiden (Stress/ Verhaltensstörungen).

Besonders scharf kritisiert EndZOO die Tatsache, dass beide Einrichtungen Eisbär KAP sogar wissentlich und somit mit einem gewissen Vorsatz Leiden zufügen werden. Denn beide Einrichtungen wissen, dass Stephans Untersuchungen auch hervorgebracht haben, dass gerade KAP ein sehr stressanfälliger Eisbär ist und schon ein neuer Artgenosse, ein Transport, ein neues Gehege aber auch eine beginnende Paarungsbereitschaft bei ihm viel Stress und besonders langandauernden Stress (bis 5 Monate) auslöst. Diesen Stress versucht KAP dann sichtbar mit langanhaltenden Verhaltensstörungen (Lauf-Stereotypien) zu reduzieren. Verhaltensstörungen wie Stereotypien sind, nach Ansicht von Prof. Jörg Luy, übrigens anerkannte Leidensindikatoren. EndZOO fordert nun die zuständigen Veterinärämter und deren Tierärzt*Innen auf, treu nach ihrem Ethik-Kodex zu handeln und die Transporte aus oben genannten höherwiegenden Tierschutzgründen nicht zu genehmigen.  

„Kein einziger inhaftierter Eisbär hat auch nur ansatzweise zur Eindämmung des Klimawandels, zur Erholung der freilebenden Eisbärenpopulation oder zum Stopp der Trophäenjagd beigetragen. Nach wie vor läuft der Eisbär, wie viele andere nicht-menschliche Tierarten auf unserem Planten auch, nahezu ungebremst seinem Aussterben entgegen. Das von Karlsruhe erhoffte und ach so süße Eisbärenbaby trägt lediglich dazu bei, dass das Leiden der Eisbären in den Zoo-Gefangenschaften noch viele Jahre weitergeht und dass diese Haftanstalten ihre maroden Zookassen mit einem so genannten „Knut-Hype“ kurzfristig auffüllen werden“, so EndZOO-Zooexperte Frank Albrecht. „Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Karlsruhe den Transportstress mit dem Argument der Arterhaltung und des Artenschutzes (Geburt eines Eisbären) versuchen zu rechtfertigen. Doch glücklicherweise überwiegen Tierschutzinteressen allen anderen Zoointeressen.“

Link zu den Untersuchungen (PDF) von Dr. Ulrike Stephan: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000005171/2615

EndZOO ist eine internationale Tierrechts-, Tierschutz- und Artenschutzorganisation. Nicht-menschliche Tiere in der Zoo-Gefangenschaft haben auch ein Recht auf Leben, persönlicher Freiheit und das Recht auf körperlicher und psychischer Unversehrtheit. Daher setzen wir uns für ein schnellstmögliches Auslaufen aller Zoo-Gefangenschaften ein. Zudem fordern wir weitestgehend leidmindernde Zoo-Haltungsbedingungen und wir treten für den Schutz und den Erhalt der natürlichen Lebensräume in Freiheit ein.

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